Von reaktiv zu proaktiv: Effizienter steuern mit Ampelstatus in factory365

Jens Fröhlich
Jens Fröhlich
Principal Consultant Operations – Portfoliomanagement MEDTEC

In Produktions- und Anlagenbauprojekten entscheidet nicht selten eine einzige fehlende Schraube, eine überlastete Maschine oder ein verzögerter Kommissioniervorgang über Termintreue und Projekterfolg. Gleichzeitig wachsen die Datenmengen: Stücklisten, Arbeitspläne, Lagerbestände, Kapazitäten und Logistikprozesse laufen parallel – oft in unterschiedlichen Sichten. factory365 begegnet dieser Komplexität mit einem klaren Prinzip: der Ampelsteuerung. Das Ampel‑Konzept übersetzt dispositive, kapazitive und logistische Informationen in sofort verständliche

Executive Summary: Was leistet das Ampel‑Konzept?

Das Ampelsystem in factory365 ist eine zentrale visuelle Steuerungshilfe für Konstruktion, Disposition, Fertigung und Logistik. Es ermöglicht:

  • dispositive Transparenz über Materialverfügbarkeit,
  • kapazitive Absicherung von Arbeitsplätzen und Abteilungen,
  • logistische Kontrolle des Kommissionierfortschritts,
  • sowie eine realistische Gesamtbewertung durch eine konsequente Vererbungslogik.

Komplexe Entscheidungen werden so nicht mehr Tabellen‑, sondern farbgetrieben getroffen – von Grün (produktionsbereit) bis Rot (akuter Handlungsbedarf).

Die Ausführungsüberwachung: Zentrale Informationsdrehscheibe

Herzstück des Ampel‑Konzepts ist die Ausführungsüberwachung in factory365. Sie verbindet Konstruktion, Disposition und Fertigung in einem gemeinsamen Überblick und gliedert sich in zwei Perspektiven:

1. Konstruktionsüberwachung

Hier steht die Stammdatensicht im Fokus:

Stücklisten und Arbeitspläne werden auf Bearbeitungsstand und Vollständigkeit geprüft. Ziel ist es sicherzustellen, dass die Produktionsgrundlagen sauber und freigegeben sind.

2. Dispositionsüberwachung

In der Dispositionssicht werden Fertigungsstücklisten und Arbeitsgänge den realen Ressourcen gegenübergestellt:

  • Materialverfügbarkeit
  • Kapazitäten
  • Termine
  • Beschaffungswege

Genau hier kommen die Verfügbarkeitsampeln zum Einsatz.

Damit wird aus einem Auftrag ein transparent steuerbares Projekt.

Die dispositive Verfügbarkeitsampel

Ist das Material wirklich da und verfügbar? Die dispositive Ampel beantwortet eine zentrale Frage der Disposition: Ist der Bedarf zum benötigten Termin materialseitig abgesichert?

Die Bewertung basiert auf:

  • aktuellem Lagerbestand,
  • geplanten Zugängen (Bestellungen, Umlagerungen),
  • bestehenden Reservierungen.

Logik der Farbkennzeichnung

  • Grün: Positiver Verfügbarkeitssaldo aus Lagerbeständen
  • Gelb: gedeckte, aber von künftigen Zugängen abhängige Materialverfügbarkeit
  • Warnsymbol: Reservierungskonflikt gegen Belege
  • Rot: Material zum Termin nicht verfügbar

Harald Büchel, Principal Consultant im Portfoliomanagement der KUMAVISION AG erläutert: „Ein zentrales Prinzip ist die Vererbungslogik: Baugruppen übernehmen automatisch den Status ihres schwächsten Bauteils. Fehlt ein einziges Teil, wird die gesamte Baugruppe kritisch markiert – damit wird eine realistische und praxisnahe Sicht auf die tatsächliche Lieferfähigkeit sichergestellt.“

Die kapazitive Verfügbarkeitsampel

Reichen Maschinen und Personal? Neben Material ist die Kapazität der zweite Engpassfaktor. Die kapazitive Ampel vergleicht den Kapazitätsbedarf eines Auftrags mit den im Kalender hinterlegten Ressourcen von Arbeitsplätzen, Arbeitsplatzgruppen und Abteilungen.

Zwei Überwachungsmodi helfen zur besseren Einschätzung:

Ohne Schwellenwerte:

  • Grün: Bedarf ≤ verfügbare Kapazität
  • Rot: Bedarf > verfügbare Kapazität

Mit Schwellenwerten (Min/Max):

  • Grün: Unterhalb der Mindestkapazität
  • Gelb: Im tolerierbaren Zielkorridor
  • Rot: Über der maximalen Kapazität

Gerade im Projekt‑ und Anlagenbau ermöglicht dies eine frühe Identifikation von Überlastsituationen, noch bevor Termine kippen.

Die Kommissionierampel

Transparenz in Lager und Logistik. Die Kommissionierampel ist ein spezialisiertes Werkzeug für die Lagerlogistik. Sie zeigt an, wie weit die Materialbereitstellung für einen Auftrag fortgeschritten ist – vom offenen Bedarf bis zur abgeschlossenen Entnahme. Eine Aktualisierung erfolgt immer mit „Verfügbarkeitsampel berechnen“ oder über eingestellte Jobroutinen.

Typische Statusanzeigen

  • Rot mit Ausrufezeichen: nicht kommissionierbar
  • Gelb: teilweise verfügbar
  • Grün: vollständig kommissionierbar
  • Blau: in Bearbeitung (Logistikbeleg erstellt)
  • Grün mit Haken: Kommissionierung abgeschlossen

Ein großer Vorteil:

Diese Ampel ist nicht nur in der Produktion, sondern auch in Logistikbelegen sichtbar – etwa im Warenausgang oder auf Kommissionierarbeitsblättern. Das verbessert die abteilungsübergreifende Kommunikation deutlich.

Qualität sichern mit dem E+D‑Änderungsvorschlag

Ein weiteres Schlüsselelement des Ampel‑Konzepts ist der E+D‑Änderungsvorschlag (Auf Basis des Entwicklungs- und Durchführungsauftrages).

Er stellt sicher, dass Änderungen an Stücklisten oder Arbeitsplänen während der Projektlaufzeit kontrolliert in laufende Aufträge übernommen werden.

  • Die Software erkennt Abweichungen,
  • Änderungen werden als Neu / Ändern / Entfernen vorgeschlagen
  • Anwender entscheiden bewusst über eine Übernahme
  • Ein Icon signalisiert frühzeitig bestehenden Änderungsbedarf

So lassen sich Fehlproduktionen vermeiden, bevor sie entstehen – ein klarer Mehrwert in variantenreichen Projekten.

Fazit: Management by Color

Das Ampel‑Konzept in factory365 übersetzt komplexe ERP‑Daten in klare, handlungsrelevante Signale:

  • Rot heißt handeln
  • Gelb heißt aufmerksam bleiben
  • Blau zeigt aktiven Fortschritt
  • Grün gibt Produktionssicherheit

Ein Produktions‑ oder Projektleiter muss keine hundert Zeilen analysieren – ein Blick auf die Ausführungsüberwachung genügt.

Durch die manuelle Funktion „Verfügbarkeitsampel berechnen“ bleibt zudem die Kontrolle über Aktualisierungszeitpunkte erhalten – ein wichtiger Aspekt für Performance und Systemstabilität bei großen Datenmengen.

Kurz gesagt: factory365 ermöglicht echtes Management by Exception – visuell, integriert und praxisnah.



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