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07. August 2016

Verlagswerkstatt Business Reporting im Interview: Kennzahlen für mehr Wettbewerbsfähigkeit

Buchverlage sind durch ihr Geschäftsmodell gezwungen, auf der Basis oberflächlicher Marktforschung eine Vielzahl von Produkten auf den Markt zu bringen. Dabei gehen sie große Risiken ein. Umso wichtiger ist es für sie, jederzeit genau über den Erfolg unterrichtet zu sein und ihre Kennzahlen mit denen des Wettbewerbs vergleichen zu können. Zu diesem Zweck gründeten die KUMAVISION AG und die Verlagsberatung Heinold, Spiller und Partner 2015 die Verlagswerkstatt "Business Reporting". Einer der prominenten wissenschaftlichen Begleiter der Verlagswerkstatt ist Prof. Dr. Martin Forster von der Hochschule der Medien in Stuttgart. Im Interview mit dem IT-Fachjournalisten Michael Lemster zeigt Prof. Forster, dass es heute für Verlage besonders hilfreich ist, ihre Kennzahlen gemeinsam zu definieren.

Professor Forster, ein Blick aufs Tablet, und wissen, was gerade läuft und was laufen wird - ein Traum oder realistisch für Verlage?

So realistisch wie für jede andere Industrie auch. Was Sie ansprechen, ist, dass man Echtzeitdaten über aktuelle Prozesse und Kundenwünsche im Verlag haben will. Diese aktuelle Information kann mir als Entscheider sofort aufzeigen, was in meinem Verlag gut und schlecht läuft. Echtzeitinformationen, die sofort auswertbar sind und so ohne Zeitverzögerung operativ wirksam werden. Wenn ich etwa als juristischer Fachverlag auf eine aktuelle Rechtsänderung redaktionell reagiere, will ich die Performance der Beiträge schnell kennen – und am Ende sollte das alles zu jeder Zeit und überall verfügbar sein – also auch auf mobilen 

Eine korrekte Leistungs- und Kostenabrechnung und die Berichte dazu gibt es in jedem mittelgroßen Unternehmen - warum muss man mit Verlagen noch darüber diskutieren und eine Arbeitsgruppe bilden?

Die Verlage laufen anderen Industrien IT-technisch noch hinterher. Das Wissen darum, wie man ein Unternehmen kennzahlenbasiert steuert - das Corporate Performance Management - ist in deutschen Verlagen noch sehr wenig vorhanden.

Was macht die Analytik in Verlagen so komplex - sind es die Bedingungen oder vielleicht eher die Köpfe?

Vielleicht beides. Verlage arbeiten anders als andere Industrieunternehmen. Eigentlich sind Verlage produzierende Unternehmen, sie produzieren Content. Aber sie produzieren auf Verdacht Content, z.B. Bücher. Das führt zu einer sehr hohen Anzahl von Produkten, was eher mit Handelsunternehmen vergleichbar ist. Man hat also auch viele Produkte im sogenannten „Long Tail“. Zudem ist der Content manchmal sehr langlebig. Dadurch müssen die Performance-Zahlen über einen langen Zeitraum nachverfolgt werden. Und die Möglichkeit, Content digital zu vertreiben, zieht eine Vielzahl von Vertriebskanälen und neuen Geschäftsmodellen nach sich was sich auch in der Analytik auswirkt. Hier tun sich Verlage besonders schwer.

Warum ist Reporting gerade heute so wichtig, dass Sie persönlich sich für mehrere Jahre in der Verlagswerkstatt dafür engagieren?

Analytik und Big Data sind momentan Buzzwords, daher schauen heute Verlage allein aus dieser Sicht heraus sehr auf Reporting-Themen. Gleichzeitig haben viele Verlage noch keine technisch klar strukturierten Lösungen oder starke Mängel in den operativen Vorsystemen wie ERP, CRM, Shop oder Endkundenportal. BI-Systeme sind erst der nächste Schritt. Da zahlt sich dann unsere Konzept- und Standardisierungs-Arbeit besonders aus.

Wenn Sie im Zusammenhang mit der Arbeitsgruppe eine Mission formulieren sollten - wie würde die lauten?

Einen Best-Practice-Ansatz zu erarbeiten, der es erlaubt, einen Verlag mittels Real-Time-Kennzahlen zu steuern.

Mit welchen Typen und "Gewichtsklassen" von Verlagen befasst sich das Projekt?

Mit Buch- und Fachinformations-Verlagen, nicht mit Verlagen, die im Kern Zeitungen oder Publikums-Zeitschriften produzieren. Was ihre Größe angeht, müssen sie vom Reifegrad der IT her so sein, dass sie die entsprechend performanten operativen Vorsysteme vorhalten.

Wer ist alles dabei?

dtv, Franckh-Kosmos, Thieme, Ulmer, Klett-Cotta, Beckmann, Gentner und Vincentz.

Und welche Zielgruppen sollen das Ergebnis nutzen?

Die Verlage, die sich im Detail in den Teilnehmern der Arbeitsgruppe widerspiegeln. Dazu kommen Softwarehersteller, die ihr Produktportfolio repräsentieren wollen. Die Schlussveröffentlichung spricht auch Forschung, Lehre und Studierende an.

Wo, wie und wann soll die Arbeitsgruppe zum Ziel kommen?

Die Arbeit wird enden, sobald die Gruppenteilnehmer sich auf ein Cockpit geeinigt haben, und wird in einer Publikation enden. Diese soll Ende 2017 erscheinen. Dann können auch Cockpits in der Verlagssoftware implementiert werden.

Was wird Ihrer Meinung nach das greifbare Ergebnis sein - ein Satz Tabellen und Grafiken, ein Stück Code oder ganz etwas anderes?

Letztlich ist es Code, aus Anwendersicht ist es ein Schema mit verbundenen analytischen Anwendungen, die an den Bedarf des einzelnen Verlags angepasst werden müssen. Aber die Verlage haben die Gewissheit, dass sie bereits auf einem validen Template aufsetzen können.

Wie kommt es in die Verlagssoftware - denn dort muss es ja schließlich hinein?

IT-technisch ist es eine zusätzliche Schicht der Software-Architektur. Die operativen Vorsysteme liefern die Daten, welche dann typischerweise an ein BI System übergeben und dort auch analysiert werden. Solche Lösungen müssen Verlage nicht einmal selbst installieren, sondern sie könnten diese Lösungen auch in einem SaaS-Modell beziehen.

Gibt es bereits etwas zu zeigen - Scribbles, Dummies, Screenshots?

KUMAVISION hat auf Basis von Microsoft Power BI einige Analysen erzeugt, die auf Beispieldaten basieren und eine Vorstellung geben, wie derartige Analysen aussehen können.

KUMAVISION ist aus der Riege der Dienstleister einer der Mitinitiatoren der Werkstatt Verlags-Cockpit - was qualifiziert KUMAVISION medien besonders dafür?

Verlags-Know-how und Microsoft-Technologie. KUMAVISION verfügt über eine vollständige Verlagslösung auf Basis von Dynamics NAV mit allen medienspezifischen Ausprägungen. Von daher versteht KUMAVISION das Geschäft der Verlage und kann dann auch diese Analysen zur Verfügung stellen.

Braucht ein Verlag dann die Software KUMAVISION medien, um das Cockpit anzuwenden?

Nein. Jeder Verlag könnte eine Power BI- oder genauso eine SAP-BI-Anwendung betreiben und mit Daten aus beliebigen operativen Vorsystemen befüllen.

Unter welchen Voraussetzungen können andere Verlage und andere Dienstleister die fertigen Ergebnisse mitnutzen?

Ohne jegliche Voraussetzungen. Mit der Publikation der Ergebnisse werden wir das vollständige Wissen zur Verfügung stellen.

Prof. Dr. Martin Foster

Der Wirtschaftsinformatiker Professor Dr. Martin Forster war nach langer Laufbahn in der IT-Branche zuletzt bei der SAP AG verantwortlich für die Verlags-Lösungen. Seit 2010 forscht und lehrt er am Lehrstuhl für betriebliche Anwendungssysteme an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Seine Forschungsgebiete sind in den Bereichen Anwendungssysteme, Geschäftsprozesse, Projektmanagement und Softwareentwicklung.

Verlagswerkstatt Business Reporting

Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe kommt seit Frühjahr 2014 im Vierteljahresrhythmus zusammen, um valide, eindeutig definierte Kennzahlen zum Corporate Performance Management zu erarbeiten. Diese betreffen die Bereiche Produkte und Content, Kunden und Kundenbeziehungsmanagement sowie Marketing und Kommunikation. Am Ende der Arbeit sollen die konzeptionellen Grundlagen für rollenbezogene Dashboards mit Tabellen und Grafiken zur Visualisierung stehen.

 

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